Präsentation der Studie „Musikfestivals im Freistaat Sachsen“ - Gemeinsame Pressekonferenz am 28. Februar 2007, 10.00 Uhr in der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

Erstmalig liegt für den Freistaat Sachsen eine repräsentative Untersuchung zu seinen ca. 60 Musikfestivals und Musikwettbewerben vor (Redaktionsschluss der Studie: 15. Februar 2007). Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung sind als wichtige Förderer der sächsischen Musikfestivalszene die Auftraggeber. Auf der gemeinsamen Pressekonferenz werden die Ergebnisse und Empfehlungen der Studie durch die Autorin Dr. Cornelia Dümcke (Culture Concepts, Berlin) präsentiert:

Der Musikfestivalmarkt zeichnet sich durch Wettbewerb und eine hohe Entwicklungsdynamik aus. Zu den 1989 existierenden 16 sächsischen Musikfestivals traten im Gründungs-„boom“ der 90er Jahre mit 29 neuen Musikfestivalinitiativen nach dem Jahr 2000 nochmals 14 Neugründungen von Musikfestivals hinzu. Durch musikalische Tradition, die Dichte kultureller und künstlerischer Szenen, Ausbildungseinrichtungen sowie Infrastruktur im Freistaat Sachsen hat sich bis heute eine außerordentlich vielfältige, nach dem Gründungsalter der Mehrzahl der Festivals, relativ junge Szene herausgebildet. Sie ist gekennzeichnet von einem musikalischen Angebot, dass hinsichtlich programmatischer Ausrichtung, Publikumsresonanz, überregionaler Wahrnehmung sowie budgetärer Ausstattung durch einige „Leuchttürme“ neben einer ausdifferenzierten Vielfalt kleiner und mittlerer Musik-festivals gesichert wird.

Die Musikfestivals im Freistaat Sachsen binden an ca. 420 Festivaltagen mit ca. 950 Veranstaltungen an 370 Veranstaltungsorten ca. 1 Mio. Besucher. Damit schaffen die Musikfestivals für ein lokales und touristisches Publikum ein besonde-res musikkulturelles Angebot in Ergänzung zum ganzjährigen Spielbetrieb der Staats- und Stadttheater sowie selbständigen Orchester, mit denen sie zum Teil eng verbunden sind. Für die Identitäts- und Imagebildung sowie touristische Profilierung vieler Städte und Regionen im Freistaat Sachsen ist die Mehrzahl der Musikfestivals ein wichtiger Faktor. Regionalwirtschaftliche Einkommens- und Umsatzeffekte sowie intangible Imageeffekte ließen sich für eine Vielzahl der sächsischen Musikfestivals feststellen. Für Kulturreisen, die derzeit den höchsten Marktanteil als Urlaubsform in Sachsen besitzen, sowie für deren touristische Zielgruppen sind die Musikfestivals im Einzelnen von unterschiedlicher Wertigkeit, an ihren jeweiligen Standorten und gemessen an ihren lokalen Wirkungen jedoch von nicht zu unterschätzender touristischer Bedeutung.

Strukturell ist die Musikfestivalszene in Sachsen durch vielfältige Organisationsformen, Trägerschaften und Finanzierungsgrundlagen gekennzeichnet. Hinsichtlich ihrer personellen und finanziellen Ausstattung ist von keiner homogenen Lage auszugehen. Die Mehrzahl der Musikfestivals in Sachsen verfügt über kleine und mittlere Budgets. Der überregionale Vergleich im deutschsprachigen Raum be-legt jedoch auch, dass sich die drei sächsischen Musikfestivals, deren Jahresbudget über 1 Mio. Euro liegt, immer noch im unteren Bereich der zur sogenannten A-Klasse zählenden Musikfestivals im deutschsprachigen Raum befinden. Die meisten Festivalleitungen stoßen bei der weiteren Profilierung ihres Festivals an finanzielle Grenzen. Insbesondere auch in der Gruppe der Musikfestivals mit mittlerer Budgetausstattung stehen einige Festivalleitungen vor einem kritischen Punkt, um die begonnene künstlerische Profilierung und lokale Verankerung fortzuset-zen.

Im Durchschnitt werden die Musikfestivals im Freistaat Sachsen zu 63 % durch öf-fentliche Mittel getragen. Der Anteil der eigenen Einnahmen einschließlich der Förderung durch private Stiftungen und Unternehmen liegt bei ca. 37 % (ca. 25 % eigene Einnahmen durch Kartenverkauf, Merchandising, Eigenleistungen etc. sowie ca. 12 % Einnahmen von privaten Stiftungen und Unternehmen). Die Aufwendungen für die Öffentlichkeitsarbeit belaufen sich im Durchschnitt der Festivals auf ca. 12 % des jeweiligen Jahresbudgets.

Die Studie belegt, dass die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und die Ost-deutsche Sparkassenstiftung für die Entwicklung der Musikfestivals im Freistaat Sachsen einen wesentlichen Beitrag leisten. Eine Kompensation der Fördermittel beider Stiftungen durch andere öffentliche oder private Förderer stellt für die Mehrzahl der von ihnen geförderten Musikfestivals ein ernst zu nehmendes Problem dar. Daraus ergibt sich für beide Stiftungen, wenngleich diese mit unter-schiedlichem Auftrag tätig sind, eine hohe Verantwortung in Bezug auf künftige Förderentscheidungen.

Auf der Grundlage der Ergebnisse der Untersuchung werden durch die Autorin der Studie konkrete Empfehlungen für die Förderung der Musikfestivals im Freistaat Sachsen formuliert.

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